Organisatorische Schwächen
Aus dem Englischen übersetzt von Aram
Die erhebliche Schwäche in Simkos Bewegung war das Fehlen jeglicher formaler Organisationsstrukturen. Es gab ein Netzwerk um Simkos private Verbindungen, aber keine Partei, um die Anhängerschaft zu organisieren, und keine formale Regierung oder Kriegsrat. In den Städten, Urmiyeh und Souj Bulag (Mahabad) wurden die Verwaltungsaufgaben durch von Simko ausgesuchten Gouverneure vollzogen. Dabei handelte es sich um Stammesoberhäupter, die keinerlei Beziehung zur Bevölkerungen dieser Städte hatten und einfach die Büros der vorherigen, in Tebriz stationierten, Gouverneure übernahmen. Für ihren autoritären Regierungsstill wurden sie von einem Großteil der Bevölkerung verachtet. Zudem fehlte es an einem systematischen und vernünftigen Steuersystem: Simkos Kassen waren mit wahllos eingebrachten Plünderungen gefüllt und die meisten von ihnen waren zu seinem Schaden (Olson Robert, The Kurdish Question and Turkish-Iranian Relations: From World War I to 1998 Kurdish Studies Series, No. 1, California, Mazda Publishers, 1998: pp 24-27).
Die bewaffneten kurdischen Kräfte schwankten andauernd in ihrer Stärke je nach dem, wie die Stämme zu ihr standen und diese wiederum waren anhängig von ihren Interessen und den jeweiligen Umständen. Der mehr oder weniger feste Kern des Gefolges war gerade die von Simko persönlich und die von Ame Khan, Kopf der Kardar Sektion des Shikah Stammes, gestellten Kämpfer. Im Jahre 1918 umfasste Simkos Gefolge mehrere Hundert ehemalige Soldaten der osmanischen Armee, gut bewaffnet und von Deutschen ausgebildet. Von 1921 bis 1922 sagte Simko, er habe ein großes türkisches Kontingent, die Iraner und Briten verdächtigten indes Ankara für die Abstellung dieser Truppen verantwortlich zu sein. Dieser Verdacht wurde allerdings nie bestätigt. In diesem Zusammenhang ist auch die Nennung vieler kurdischer Nationalisten aus der Türkei in seiner Gefolgschaft von Bedeutung. Aber auch dieser harte Kern war nicht wirklich konstant. Viele von Simkos osmanischen Soldaten kapitulierten, nachdem ihnen von Intinsar und Filipov 1919 Amnestie versprochen wurde, da den Azeris und ihren türkischen Brüdern mehr an ethnischen als an privaten Gründen lag. Ferner, es kamen Helfer aus den kurdischen Stämmen, motiviert mehr durch Geld und Beute als aus nationalistischen Gründen und trugen zum Simkos Untergang bei. Während im Juli 1922 seine Gefolgschaft durch konstante Erfolge auf 10 000 Mann gestiegen war, dezimierte sich ihre Zahl nach der ersten Niederlage, und innerhalb weniger Tage waren nicht mehr als 1000 loyale Anhänger übrig (Ibid, 34).
Eine starke Anhängerschaft ist unerlässlich für jeden Stammesoberhaupt, der eine Expansionspolitik betreiben möchte. Einst war seine Stärke bemerkenswert, denn viele die nicht zu seinem Gefolge gehörten und nie gehören wollten, folgten ihm. In Simkos Schlachten und Kämpfen gegen die Regierungstruppen kämpften dementsprechend nicht nur seine Leute ,sondern auch andere Stammeskrieger beteiligten sich daran. Diese waren in erster Linie Shikak und im Speziellen Avdovo, Mamedi und Kardar-Stammesteile. In Zeiten Simkos guter Erfolge beteiligten sich ebenfalls Stammesoberhäupter anderer Stämme mit ihrer Gefolgschaft und mit den einfachen Stammesmitgliedern. Ganz speziell der Herki-Stamm stellte viele Männer Simko zur Seite: Herki und Mamash waren zudem Simkos loyalste Verbündete. Andere schlossen sich später an und desertierten früher. In Zeiten der Not verließen ihm sogar die Treuesten. Einer von ihnen war Amr Khan, der Kopf der Kardar Pisaqas und Simkos größter Rivale innerhalb der Shikak, welcher als Simkos Generalbevollmächtigter 1922 zu verschiedenen Anläsen zu desertieren versuchte. Er kontaktierte die Regierung durch einen religiösen Würdenträger als Vermittler und verlangte Amnestie im Tausch dafür, wie er versprach, der Regierung gehorsam zu sein und Simko zu bekämpfen. Amr Khans Allianz Richtung Reza Khans Regime schien die Überzeugung und Bindung der nationalen Kräfte auf einer Seite und die der Teile des Shkak Stammes auf der andere Seite beträchtlich zu schwächen (Cited in Martin Van Bruinseen, Kurdish tribes and the state in Iran: the case of Simko's revolt, in: Richard Tapper (ed.), The conflict of tribe and state in Iran and Afghanistan. London: Croom Helm, 1983,pp. 36-44).
Simko versuchte nicht nur von den Stämmen Unterstützung zu erhalten, er versuchte auch sich mit ausländischen Kräfte zu vereinen. Wiederholt versuchte er britische Unterstützung zu bekommen, üblicherweise hatten bessere Beziehungen zu Briten durch Stammesoberhäupter als er: zum Beispiel Sayyid Taha oder Babakr Agha of Pizhdar. Bei diesen Versuchen hatte er, wenn überhaupt, nur einen geringen Erfolg. In der selben Zeit kommunizierte er mit den Sowjetischen Autoritäten im Kaukasus und mit den Kemalisten in Van. Manche seiner Briefe zu den Genannten wurden offensichtlich abgefangen; britische und Iranische Obrigkeit waren, wie schon erwähnt, überzeugt, dass Kemalisten bereits Truppen entsendet hatten. Aber Fakt ist, dass keiner dieser fremden Kräfte ihn unterstütze, wenn er es am dringendsten nötig hatte. In der frühen Phase seiner Kariere allerdings war sein Umgang mit den Staatautoritäten (den Iranern, die ihm zum Gouverneure von Qotur machten; die Russen und Osmanen, die seine Okkupation anerkannten) beeinflusst durch seine Position bei den Kurden, denn solche Beziehungen mit Nachbarländer waren, wie früher gesagt wurde , immer in der Geschichte Kurdistans präsent und genau so beeinflussten sie den kurdischen Nationalismus in seiner späteren Phase. Sie dürften dabei beträchtlich in die kurdische Stammespolitik eingewirkt haben (Ibid, 56).
Der große Bund der Stämme, der Simkos Bewegung war, konnte nur solange aufrecht erhalten werden als die Stämme mobilisiert gehalten wurden. Ebenso war ein Faktor, dass der mobilisierte Nationalismus in Notzeiten Simkos dahin schwand, sodass es naheliegt, dass für die Mehrzahl der Gefolgschaft Nationalismus bestenfalls ein nebensächlicher Grund war. Wie üblich in Stämmen, sollte Mobilisation mehr praktische und dringliche Gründe haben und es sollen angemessene Chancen gegeben werden diese zu erreichen, sei es ein militärischer Sieg oder über einen rivalisierenden Stamm oder gegen die Regierungstruppen oder einfach nur Plünderungen. Die Häufigkeit der Plünderungen, angegliedert an Simkos Rebellion, welches viele Zeitgenossen und Nationalisten ihm später vorgehalten haben, war daher nicht zufällig passiert; es war einfach wichtig, um die Stämme in mobilisiertem Zustand zu halten und ihren Zusammenhalt zu gewährleisten. Wenn in diesem Zusammenhang die Mobilisierung endete, dann, weil die meisten Stammsangehörigen zukünftige Erfolge sehr klein einschätzten und deshalb aufgaben. Und die Einheit brach sofort ein. Dasselbe passierte vielen Bündnissen in der Vergangenheit: Eine Kombination aus äußeren und inneren Kräften mobilisierte die Kräfte und machte sie zu Verbündeten. Wenn diese Gründe wegfielen oder die Kosten für solch einen Bund zu hoch wurden, zerfiel der Bund und nur ein kleiner Teil blieb unter dem Namen erhalten und manchmal folgte eine respektvolle, aber nicht hauptsächliche Abstammung. In Simkos Rebellion gegen die Zentralregierung, wurde die Mobilisierung nicht dauerhaft erhalten. Das Beibehalten der einmal erzielten Einheit erforderte irgendeine definitive Form der Organisation, dies wäre jedoch über Stammespolitik hinaus gegangen. Simko lieferte nicht die organisatorischen Strukturen, um ein gewisses Maß an Mobilisation der Stämme trotz Aufteilung in rivalisierenden Bündnissen zu institutionalisieren (Ibid, 58). In der anfänglichen Phasen der Rebellion bildeten die Stammesführer den Kern der Führung und der Hauptgrund hierfür war die mit Mühe definierten Stammesinteressen. Im Zusammenhang dazu dominierten die sunnitischen muslimischen Kurden die nationale Bewegung, was dazu führte, dass viele schiitische Kurden aus dem Süden der Bewegung zunehmend Desinteresse entgegen brachten. Diese Trennungslinie zwischen den beiden Konfessionen bildete die größte Aufteilung der nationalen Bewegung. Vielmehr brachte die sunnitisch-dominierte Führung der Stammesoberhäupter die Rebellion tatsächlich zu einer Stammes-Sektenpolitik. Dies war ein beträchtlicher Fehler, der zum schnellen Zusammenbruch der kurdischen Nationalisten im Iran führte, die von 1919 bis 1929 durch anfänglicher Erfolge genähert, die Befreiung der kurdischen Gebiete erreichten (Ibid, p 67). [1]